Freitag, 19.05.2017 - 17:00 Uhr

Theatre of the displaced, Ukraine

Im Rahmen von ART OF THE CITIES -
3. Bürgerbühnenfestival
Lectures: Community Theatre/Georg Genoux

Im Juni 2015 hat der Regisseur Georg Genoux, der seit 2003 mehr als 80 Theaterstücke in Russland und anderen östlichen Ländern realisiert hat, gemeinsam mit der Autorin Natalja Vorozhbyt das „Theater der Flüchtlinge“ gegründet. Die Ukraine steckt mitten in einem Bürgerkrieg. Die Künstler*innen gehen aktiv mit dieser Krise um. Sie bereisen Kriegsgebiete und geben den Betroffenen eine Stimme, indem sie Film- und Theaterprojekte mit ihnen realisieren und Theatertexte mit ihnen schreiben. Kurz vor seiner Premiere über die Entwicklungen auf der Krim präsentiert Genoux seinen auch auf der Berlinale präsentierten Dokumentarfilm „Schule Nummer drei“ und berichtet über dieses sehr spezielle Bürgertheater.

Theaterfilm „Mein Nikolajewka“.
Im Sommer 2014 waren die 15.000 Einwohner der Stadt Nikolajewka im Osten der Ukraine Zeugen und Betroffene der Krieges zwischen den Separatisten und der Ukrainischen Armee. Die Stadt wurde bombardiert, Wohnhäuser zerstört. Die Einwohner flohen aus der Stadt oder versteckten sich in ihren Kellern. Auch die Schule Nr.3 stand unter Beschuss, war plötzlich nicht mehr Schule, sondern Ruine.In dieser Inszenierung sind ihre Schüler Autoren und Darsteller eigener Texte über ihre Erfahrung des Krieges. Sie erzählen von ihrer Angst, wie man den Klang eines Panzers von dem eines LKW unterscheidet und über die Liebe.

„Bevor die ukrainische Armee kam, hat man ihnen hier erzählt, die Faschisten aus Kiew würden Säuglinge an die Bäume nageln. Das ist nicht passiert, aber das Misstrauen bleibt: Wird die ukrainische Armee sich doch noch dafür rächen, dass einige die andere Seite unterstützt haben?“  (Daniel Schulz in der taz am Wochenende, 16./17. Mai 2015)

Diese Inszenierung hatte im April 2015 in der Schule in Nikolajewka Premiere und reiste anschliessend durch mehrere ukrainische Städte. Sie wurde auf den wichtigsten Festivals für innovative Kunst in der Ukraine gezeigt, wie z.B. GOGOLfest in Kiew, DONKULT in Lviv und DOCUDAYS.UA in Kiew. 2016 gastierte das Projekt am Theater Konstanz.

Der Theaterfilm „Mein Nikolajewka“ hatte im März 2016 am Maxim Gorki Theater in Berlin Premiere, wurde anschliessend auf Festivals in Wien, London, Kiew, Minsk und New York gezeigt.  Im Februar 2017 erhielt der Dokumentarfilm „Shkola #3“, (Regie: Yelizaveta Smith, Georg Genoux), basierend auf der Theaterinszenierung und dem Theaterfilm „Mein Nikolajewka“, den Grand Prix der internationalen Jury des Wettbewerbs „Generation 14+“ der 69th Berliner Filmfestspiele (Berlinale).

Autoren des Projektes: Natalya Vorozhbyt und Georg Genoux,Regie Film: Yelizaveta Smith, Georg GenouxKamera: Khrystyna Lizogub.

Dauer 80 Minuten. In russischer Sprache mit deutschen Untertiteln.


Co-Produktion: Theatre of Displaced People, Tabor Production
www.displacedtheatre.com
www.taborproduction.com