Samstag, 15.04.2017 - 20:00 Uhr

Nathan der Weise

Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing


Nathan kehrt von seiner Geschäftsreise nach Jerusalem zurück und findet verbrannte Erde und sein Haus in Trümmern vor. Jenseits von Rachegedanken beginnt er sein kluges Schachspiel der Aufklärung: Der christliche Tempelherr, der Nathans Tochter Recha aus den Flammen rettete, wird bald seine Vorurteile gegen Nathan überwinden. Der muslimische Herrscher Saladin bekommt anstelle eines Darlehens die Weisheit der Ringparabel offenbart, ein Sinnbild für Toleranz und respektvolles Nebeneinander der drei monotheistischen Religionen. Ungeahnte Familienbande zeigen zum Ende des Stückes die gemeinsamen Wurzeln der Beteiligten auf. Friede kann einkehren, wenn auch nur für kurze Zeit, am Endestehen die Häuser erneut in Flammen. Philosophische oder religiöse Entwürfe kollidieren unvereinbar mit der Realität, blinder Hass und Gewalt sind die Folgen: »Ich fürchte, grad unter Menschen möchtest du ein Mensch zu sein verlernen.« Lessing letztes Stück aus dem Jahre 1779 zeigt sich heute aktueller denn je.

Nathan returns to Jerusalem after a business trip; he finds scorched earth and his house is in ruins. Beyond any thoughts of revenge, he begins his clever enlightenment chess game. In the ring parable, he promotes tolerance and respectful cooperation among the three monotheistic religions. Unanticipated family bonds show the involved parties’ common roots at the end of the piece. But then, the homes are in flames once again. Philosophic and religious concepts collide with reality in an incompatible way; blind hate and violence result. 

  
  
Konstantin Dupelius